Rule #5 @MDD29

Harden The Fuck Up

(c) Maratona Dles Dolomites

Maratona Dles Dolomites 2015

Velominati Rule #5: „Harden The Fuck Up“ – Das war während der Hitzeschlacht bei der Maratona dles Dolomites 2015 nicht so einfach …

Zum sechsten Start in Folge konnte das Trainingstagebuch endlich mal mehr Einträge verzeichnen: Um den täglichen A40-Staugau zu umgehen, wurde der Weg ins Büro häufiger mit dem Rad beglichen und hat so seit Jahresbeginn rd. 1500 Extra-Trainingskilometer in die Beine gebracht. Krankheitbedingte Pausen waren zum Glück auch nicht sehr ausgeprägt, sodass die Vorbereitung eigentlich recht gut verlaufen ist. Die langfristigen Wetteraussichten waren mit Temperaturen bis über 30° mehr als optimal. Recht optimistisch, dass eine offene Rechnung in diesem Jahr mal beglichen werden kann, ging es also wieder nach La Villa ein paar Pässen fahren.

 

Donnerstag – Einrollrunde N°1:

Grandioses Wetter, grandiose Kulisse – nur für den Nachmittag könnten örtlich vereinzelt Gewitter auftreten. Also geht es nach dem Frühstück los, geplant ist der zweite Teil der großen Runde mit » La Villa – Corvara – Passo Campolongo – Arabba – Passo Giau – Passo Falzarego – Passo Valparola «, am Samstag würde dann die Sellarunde reichen. Bis zum Campo geht es deutlich besser als die Jahre davor, das mit dem “Bike to work” scheint also tatsächlich was gebracht zu haben. Allerdings deutet sich jetzt schon an, dass die hohen Temperaturen ein entscheidender Faktor sein können. Der Flüssigkeitskonsum ist entsprechend hoch, also werden auch einige Natur-Zapfstellen angefahren. Für Sonntag wird somit eine optimierte Trinkstrategie erforderlich sein. Kurzzeitig spiele ich schon mit dem Gedanken, Samstag an der Strecke einige Depots in der Botanik anzulegen.

Folgen des Gewitters …

Mit gutem Gefühl in den Beinen und moderatem Tempo geht es Richtung Giau. Die Quellwolken nehmen mit ansteigender Temperatur und Höhe merklich zu. Oben am Pass ist es dann schon fast komplett zugezogen. Also erstmal ausgiebige Pause mit Cappu und Pasta einlegen. Noch bevor der Teller leer ist, fängt’s heftig an zu Gewittern – begleitet von einer amtlichen Portion Hagel. Na super, hatte ich das nicht schon vor zwei Jahren an der selben Stelle? Nach einer Weile geht der Hagel in Regen über, der sich sehr langsam abschwächt. Als es erstmal nur noch leicht nieselt, geht’s getreu Rule #5 in die Abfahrt Richtung Pocol.

Das Wasser rinnt stellenweise wie ein kleiner Bach über die Straße und die Abfahrt wird zum Eiertanz. Wie schön, dass es auf halber Höhe wieder voll anfängt zu Plästern und wie schön auch, dass es bei einer Temperatur mit knapp unter 10° jetzt auch garnicht mehr zu heiß ist. In Pocol reicht’s mir dann völlig, und es geht wieder direkt ins Sport Hotel. Und wie bereits vor zwei Jahren, ist der ganze Laden wieder randvoll mit eingeweichten, gestrandeten Radlern aus sämtlichen Nationen. Ich geselle mich zu drei Niederländern in die Sitzecke und beauftrage Martina wieder zum Shuttle spielen. Die Oranjes fragen, ob die Möglichkeit besteht, einen von denen mit nach La Villa zu nehmen, wo deren Auto steht – er würde dann seine beiden Kumpels abholen. Klar, machen wir natürlich gerne. Nach ein paar Minuten klingelt das Telefon: “Der Pass ist gesperrt, hier hat eine Gerölllawine die Straße verschüttet ..”.

Aaalter, auch das noch. Bedeutet für den Shuttleservice also wieder abfahren, Hotelier nach Alternativroute fragen und einen neuen Versuch starten. Nach rund drei Stunden Gesamtwartezeit und etlichen Getränken (Oranje zahlt) kommt dann endlich auch Martina an. Auf dem Rückweg über den Valparola steht dann am Abzweig zum Falzarego Richtung La Villa keine Sperre. Hm, zwischenzeitlich schon wieder freigeräumt? Also los, um dann irgendwann doch in der Schlange zu stehen: immer noch gesperrt! Also warten oder wieder zurück und komplett außenrum? Zum Glück gestikuliert einer, dass wohl just in diesen Minuten die Sperrung aufgehoben wird. Also geht’s dann in langer Kolonne den kurzen Weg zurück. Fazit: Optimaler Tag sieht anders aus, nette Oranjes kennengelernt und irgendwas ist ja sowieso immer …

Freitag – Einrollrunde N°2:

Das Wetter sieht am Morgen wieder sehr gut aus und die Temperaturen sind perfekt. Die Vorhersage kündigt zum Nachmittag wieder örtliche Gewitter an. Da Freitags standesgemäß nur eine lockere Sellarunde ansteht, sollte das nicht nicht wieder ein großes Problem darstellen. Also geht’s über den Campo nach Arraba und zum Cappu-Stopp auf den Pordoi. Die Wolken nehmen aber doch schon merklich zu und ein Blick Richtung Sella lässt nichts Gutes erahnen. Tja, weiterfahren und Mut zur Lücke, um dann oben am Sella oder vorm Grödner die volle Ladung ab zu bekommen? Oder umkehren? Nach einem zweiten Cappu entscheide ich mich fürs Umkehren. Also den Pordoi in ungewohnter Richtung hinunter – und auf halber Strecke fängt’s dann auch schon an zu regnen. Na fein, die Intensität nimmt natürlich zu. Zum Glück kühlt es nicht allzusehr ab wie am Vortag. Eigentlich bin ich die ganzen Jahre ja davon ausgegangen, der Campo von Arraba aus zu fahren nicht wirklich ein Vergnügen ist. Aber da habe ich mich wohl getäuscht, denn so rum kommt er mir irgendwie angenehmer vor. Oder liegt das nur an der Wetter bedingten schei** egal Einstellung? Kurz vor Corvara sind die engen Kurve mit dem Rinnsal recht heikel zu fahren, aber wenn man eh schon komplett nass ist, dann muss man sich ja nicht stressen. Im Hotel gibt’s vor der Dusche erstmal ein Bier. Reicht mal wieder für heute …

Sonntag – #mdd29:

IMAG0474Um 04:30 Uhr klingelt der Wecker und das Thermometer zeigt schon angenehme zweistellige Temperaturen. Was habe ich hier schon für Überraschungen erlebt, es hat auch schon bibbernde 2° gehabt … Zum Start geht es also ohne Jacke und beim “Gruppenkuscheln” in der Startaufstellung bleibt sie auch verpackt. Nach dem eigentlichen Startschuss passiert mal wieder ein halbe Ewigkeit nix, nur sehr langsam setzt sich der Tross aus Gruppe 3 in Bewegung. Nach 12 Minuten fahre dann auch ich endlich über die Linie und die Zeit läuft.

Nach Corvara geht es in den ersten Kehren zum Campolongo nur im Schrittempo bis fast zum Stillstand. Nach dem Golfplatz zieht sich das Feld dann so langsam auseinander. Läuft heute irgendwie richtig gut und auch Pordoi geht sich recht flüssig an. An der Verpflegungsstation zum Sella wird erstmal Flüssigkeit nachgefüllt und ein Riegel runtergewürgt. Die Auffahrt zum Pass ist wie immer die meist gehasste Passage. Keine Ahnung warum, aber da bekomme ich einfach keinen flüssigen Tritt zusammen. Zum Grödner macht es dann wie immer wieder mehr Spaß, der liegt mir richtig und lässt sich auch flüssig fahren. Auf der Abfahrt nach Corvara kann man wieder richtig laufen lassen und es werden auch einige Plätze gut gemacht. Kurz nach der Durchfahrt des Zielbereichs werden die Flaschen getauscht, einer weiterer Riegel mit Druck verzehrt und dann geht es weiter.

Der zweite Durchgang Campo läuft auch wieder gut, allerdings steigt die Temperatur schon merklich an und Flüssigkeitsbedarf steigt an. Ab Arraba ist der Weg zur Trennug der mittleren und langen Strecke dann größtenteils eine Erholung. In einer kleinen homogenen Gruppe mit gemischten Nationalitäten geht’s Richtung Cernadoi. Jetzt mache ich mir so langsam schon Gedanken, ob ich mir die lange Strecke bei den Temperatur geben sollte. Der Flascheninhalt reduziert sich jetzt sehr rasch. Vorm Giau gibt es zwar nach mal Verpflegung, aber dann kommt lange nix – und dann kann es ohne genügend Wasser richtig böse werden. An der Streckentrennung zögere ich, wie auch andere, noch ein wenig. Engel links sagt, lieber eine gute Zeit auf der mittlere als auf der langen einbrechen.  Teufel rechts sagt, mach es, denk an Rule #5: Harden the fuck up! Nee, Engel ist lauter und ich entscheide mich für die mittlere Runde.

Screenshot_2015-07-05-13-32-33Hier gibts stellenweise noch einige Wasserstellen und die Flaschen können immer gut nachgefüllt werden. Gut so, denn die Temperatur geht schon Richtung Tropen. Falzarego geht dann noch einigermaßen rund, aber Valparola wird dann schon eine kleine Herausforderung, denn die brennt der Planet recht amtlich. Die Abfahrt rollt, auch wenn die Straße teilweise in einem miserablen Zustand ist. Dann kommt auch schon die Katzenmauer näher. Da haben sich im letzten Jahr bei der Premiere wohl schon richtige Tragödien abgespielt. Ich bin das “Brett” vorher noch nicht gefahren, denn ich wollte mich überraschen lassen. Hilft ja nix, hier muss man jetzt irgendwie hoch. Alter Schwede, das zieht Dir dermaßen den Bums aus den Schenkeln. Zuerst noch tapfer im Sattel, dann im Wiegetritt. Nur keine Blöße geben und absteigen – hier sind Kameras und zu viele Leute, die nur auf Leidende warten. Also im Zeitlupentempo die letzten Meter über die Zeitnahme retten. Als es auf der Matte piept schreie ich nur noch: “Ich hasse Katzen”. Die Zuschauer, die es gehört haben, lachen genüsslich. Jetzt ist es nur noch ein Klacks und auf den letzten Metern zum Ziel wird nochmal alles gegeben. Nach 6:30 h geht es merklich platt über die Ziellinie. Prima, keine schlechte Zeit: Auf dieser Strecke 51 Minuten schneller als 2013 und 59 als 2010. Wenn ich ich das im nachhinein analysiere und Temperaturbedingten Zusatzstopps fürs Trinken und Wasserholen abziehe, dann wäre ich locker unter 6 Stunden geblieben. Aber egal, für heute war es die vernünftige Entscheidung, auf der lange Strecke wäre es wahrscheinlich nicht so positiv ausgegangen.

Freuen wir uns auf das 30 jährige Jubiläum in 2016!

 

 

Standbilder – © sportograf

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Und noch ein paar Highlights mit bewegten Bilder!

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